Melancholie und Optimismus

„Wie klingt Freiburg?“ lautet die Frage, die zwei Kommilitoninnen und ich uns gestellt haben. 27 Töne und Bilder haben wir eingefangen und daraus eine Onlinereportage mit Soundmap gestaltet. Wir sprechen über Musik, über Lärm und Stille. Ich durfte den Freiburger Singer-Songwriter Sebastian Hesselmann zum Interview treffen und seine Geschichte erzählen, die ich auch hier in meinem Blog vorstellen möchte.

Die vollständige Multimedia-Reportage „Freiburg: Der Klang einer Stadt“ wurde im Blog des Frankreichzentrums der Universität Freiburg veröffentlicht.


Melancholie mit einer Prise Optimismus

Ein kühler Luftzug geht durch das urige Kellergewölbe. Duster ist es in der Kneipe und auch ein wenig stickig. Einige der Gäste rauchen. Die meisten haben sich an Tischen und Barhockern verteilt. Andere unterhalten sich stehend. Ein Pärchen knutscht unter einer Deckenleuchte, beide halten eine Flasche Bier in der Hand. Etwas bewegt sich auf der kleinen Bühne im Räng Teng Teng. Auf einmal steht er dort, ganz unscheinbar mit Mundharmonika und Gitarre. Natürlich trägt er die blau-rot gestreifte Mütze, sein Markenzeichen. „Hallo, schön das ihr alle da seid“, begrüßt Sebastian Hesselmann mit sanfter Stimme das Publikum. Die Gespräche verstummen und die Blicke richten sich auf ihn. Dann stimmt der Freiburger Singer-Songwriter behutsam sein erstes Lied an.

Ein paar Tage nach seinem Auftritt sitzt er im Café der Universitätsbibliothek. Diesmal trägt er keine Mütze, die Instrumente hat er gegen einen Rucksack eingetauscht. Es ist Ende November. „Schon erstaunlich, wenn man sich das so überlegt. Vorher habe ich nur auf Open Stages gespielt. Dieses Jahr durfte ich schon Künstler aus vier verschiedenen Ländern bei Konzerten supporten.“ Sebastian erinnert sich an die Anfänge seiner Musik zurück. „Am Ende des Jahres werde ich manchmal etwas melancholisch und überlege mir, was im letzten Jahr alles los war“, erzählt er.

Sebastian Hesselmann im Räng
Sebastian Hesselmann im Räng Teng Teng

Als melancholisch bezeichnet er auch seine Musik. „Melancholisch mit einer Prise Optimismus.“ Musik mache er, seit er denken kann. Bereits im Alter von drei Jahren besucht der heute 23-Jährige die musikalische Früherziehung. Mit sechs fängt er an, Horn zu spielen. Im Teenageralter kommt Gesang hinzu, kurz darauf bringt er sich selbst das Gitarrespielen bei. „Ich hatte keine Lust darauf, nur Karaoke zu singen. Deshalb habe ich mir die Gitarre meiner Mama genommen und einfach darauf los gespielt.“ Mittlerweile schreibt Sebastian eigene Songs, die er manchmal auch auf der Straße präsentiert. Als Freunde von ihm einmal vor dem Harmonie-Kino Straßenmusik gemacht haben, hat er sich einfach dazugesellt und eine halbe Stunde lang gespielt. „Es war Wahnsinn, wie viele Leute stehengeblieben sind. Es war Samstagabend, 20 Uhr. Die Leute wollten in‘s Kino, waren total entspannt und haben mir zugehört. Das hätte ich nie gedacht.“

Straßenpublikum bezeichnet er als das härteste Publikum der Welt. „Denn die haben ja nicht auf einen gewartet.“ Deshalb sei Straßenmusik eine sehr gute Übung für einen Künstler. Man merkt, dass Sebastian gerne und mit Bedacht über Musik redet. Wenn er erzählt, lehnt er sich zurück, knabbert ab und zu an einem Fingernagel, spricht ganz ruhig. „Ein anderes Mal habe ich Straßenmusik gemacht, als es relativ kalt draußen war und schon dunkel wurde. Ein Mädchen hat sich einfach vor mir auf den Boden gesetzt, der auch kalt war, und mir zugehört. Das fand ich cool.“ Genau dafür mache Sebastian das auch. Um jemanden zu berühren. Dass man dabei zudem ein paar Euro verdient, sei für ihn nur ein schöner Nebeneffekt. Wenn genügend zusammenkommt, kauft er sich von dem Geld eine neue Platte.

Ob Sebastian jemals von seiner Musik leben können wird, weiß er nicht. „Musik ist das, was ich am liebsten machen würde. Allerdings bin ich Realist genug, um zu erkennen, dass das nicht einfach ist.“ Wenn er nicht gerade musiziert oder Songs schreibt, studiert Sebastian Lehramt. Ursprünglich kommt er aus der Nähe von Münster und ist für das Studium nach Freiburg gezogen. Hier haben sich schon einige Möglichkeiten für ihn und seine Musik aufgetan – so auch das Konzert im Räng Teng Teng.

Sein dortiger Auftritt endet mit erkenntlichen Worten an das Publikum. Es war Sebastians letztes Konzert für dieses Jahr. „Danke, dass ihr hier wart und mir zugehört habt.“ Wenn Sebastian das sagt, klingt es nicht nach einer Phrase. Er meint es ernst. Die Bühne verlässt er genau so diskret, wie er sie betreten hat.

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